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Sonnenschutz durch Bekleidungstextilien

Neben dem Meiden der Sonne wird die Verwendung von Sonnenschutzmitteln üblicherweise empfohlen. Dennoch birgt diese Schutzmaßnahme auch Nachteile in sich (z.B. hohes Allergiepotential, geringer UV-A-Schutz, fehlerhafte Applikation, Kostenaufwand). Der Schutz vor Sonnenstrahlung durch Textilien hat bisher in Europa nur wenig Beachtung gefunden. Auf den Stellenwert von Sonnenschutz durch Textilien wurde zuerst in australischen Präventionskampagnen ein verstärktes Augenmerk gelegt, da in Australien und Neuseeland die Hautkrebsrate extrem hoch ist. Dort wurde ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass geeignete Textilien für den UV-Schutz genutzt werden sollten und dass ein großer Teil der Sommerkleidung nur unzureichenden Schutz vor der Sonnenstrahlung bietet. Im Tiermodell wurde ein selteneres Auftreten von Hautkrebs bei einem geeigneten textilen Schutz nachgewiesen. Darüber hinaus ist der Sonnenschutz durch Bekleidungstextilien auch bei der Vorbeugung von Hauterkrankungen mit erhöhter Lichtempfindlichkeit, z.B. Lupus erythematodes, polymorphe Lichtdermatose, oder Lichturtikaria, von Bedeutung.   

Es gibt eine große Anzahl von Faktoren, die den Sonnenschutz durch Bekleidungstextilien beeinflussen. Auch beim Gebrauch der Kleidungsstücke kann unter bestimmten Bedingungen eine beträchtliche Veränderung der Schutzeigenschaften auftreten (Abb. 1). Da die Sonnenschutzeigenschaften eines Kleidungsstückes nicht durch bloße Betrachtung sicher beurteilt werden können, sind spezielle Methoden entwickelt worden, mit denen nachgewiesen werden kann, wie viel UV-Strahlung durch ein Kleidungsstück hindurchtritt (UV-Transmission). Die Messung der UV-Transmission mit Hilfe eines Spektralphotometers hat sich als praktikabelste Meßmethode durchgesetzt, wobei auf Testungen an Menschen und Tieren verzichtet werden kann. Aus den Daten der UV-Transmission wird der "Ultraviolet Protection Factor" (UPF) berechnet, der wie der Sonnenschutzfaktor (SPF) von Sonnenschutzmitteln dem Verbraucher angibt, um welchen Faktor die Aufenthaltszeit eines Individuums in der Sonne verlängert werden kann, ohne dass es zu einem Sonnenbrand kommt.

In der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum sind an einer großen Anzahl von Sommertextilien Messungen der UV-Transmission durchgeführt worden, wobei über 45% der Textilien einen UPF unter 15 hatten. Im Einzelnen hängen die Sonnenschutzeigenschaften von Bekleidungstextilien von der Faserart, der Konstruktionsart und dem Gewicht des Stoffes ab. Organische Fasern (z.B. Baumwolle, Leinen) und natürliche Polymere (z.B. Viskose, Modal) zeichnen sich durch großen Tragekomfort aus und sind kommerziell weitverbreitet. Dennoch haben wir in unseren Untersuchungen festgestellt, dass gerade diese Fasern einen geringeren UV-Schutz bieten. In der Regel findet man bei Textilien aus Polyester hohe Schutzfaktoren (UPF 30+), aber der oft auftretende Hitzestau unter dem Bekleidungsstück und die Abneigung vieler Konsumenten vor "chemischen" Fasern schränken den Einsatz von Polyester ein. Neben der Faserart ist die Konstruktionsart des Textils von grundlegender Bedeutung für dessen UV-Schutzeigenschaften. Beispielsweise ist bei locker gestrickten oder gewebten Textilien mit großer "Löchrigkeit" die Transmission der UV-Strahlung deutlich größer als bei Textilien mit dichter Konstruktionsart. Die Löchrigkeit eines Textils wird im Dehnungszustand besonders stark erhöht und bewirkt einen drastischen Abfall des UV-Schutzes. So kann der UPF von 30 eines ungedehnten T-Shirts bei 10%iger Dehnung auf einen UPF von 10 absinken. Die Farbe und Färbetechnik stellt einen weiteren wichtigen Faktor dar, der die Transmissionseigenschaften von Textilien beeinflusst - dabei gilt als Faustregel: je dunkler die Farbe, desto besser der UV-Schutz des Stoffes (Abb. 1). Durch das Tragen und Waschen von Kleidungsstücken wird die UV-Durchlässigkeit signifikant verändert. In der Regel steigt der UPF eines Textils schon nach der ersten Wäsche deutlich an.

Der erste Standard zur Bestimmung und Auszeichnung von Textilien mit definiertem Sonnenschutz wurde 1996 in Australien und Neuseeland aufgestellt. Ähnlich wie bei den Normen für Sonnenschutzmittel und Sonnenbrillen werden in diesem Standard genaue Anforderungen an Probenaufbereitung, Meßmethoden und Auszeichnung der Textilien festgelegt. Da der Australisch-Neuseeländische Standard (AS/NZS 4399:1996) einige Schwächen aufweist, ist von dem Comité Européen de Normalisation (CEN) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum ein Europäischer Standard erarbeitet worden. Im Gegensatz zum Australisch-Neuseeländischen Standard werden nach dem Europäischen Standard nur solche Textilien als UV-Schutzkleidung ausgezeichnet, die einen UPF von über 40 (40+) haben und bei denen der durchtretende Anteil der UV-A-Strahlung unter 5% beträgt. Nach dem Europäischen Standard werden nur solche Kleidungsstücke ausgezeichnet, die einem definierten Design entsprechen. Dagegen werden Bekleidungsstücke wie Bikinis oder ärmellose T-Shirts nicht als Sonnenschutzkleidung ausgezeichnet, auch wenn diese Textilien selbst einen UPF von 40+ aufweisen. Der Verbraucher sollte darüber informiert sein, dass ein Textil mit hohem UV-Schutz nur so effektiv sein kann wie es sein Design erlaubt.

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