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Praekanzerosen

Was sind Praekanzerosen der Haut?

Zu den Präkanzerosen der Haut gehört eine Reihe von Hauterkrankungen, die nach längerer Zeit ihres Bestehens bösartig werden und in einen Hautkrebs übergehen können. Rechtzeitig behandelt, sind Präkanzerosen meist heilbar. Zu dieser Gruppe gehören folgende Erkrankungen:

  • Aktinische Keratose
  • Arsenkeratosen
  • Cornu cutaneum
  • Röntgenkeratosen
  • Teerkeratosen

Die genannten Erkrankungen werden im Folgenden zusammen mit deren Therapiemöglichkeiten nacheinander kurz vorgestellt. Für die aktinische Keratose, die häufigste Präkanzerose, liegt ein gesondertes Merkblatt vor. Der Begriff Keratose leitet sich von dem Wort Keratin (Hornsubstanz) ab. Die veränderte Hornsubstanz der erkrankten Haut bei den Keratosen hat zur Namensgebung beigetragen.

 

Was sind Arsenkeratosen?

Arsenkeratosen werden auch Hornwarzen genannt, die sich nach chronischer Arseneinnahme oder chronischer Arsenexposition bilden.



Wie sehen Arsenkeratosen aus?

Warzenförmige hornige Hautauswüchse zeigen sich vorzugsweise an den Handtellern und Fußsohlen, kommen aber auch an Hals, Gesicht und Rumpf vor. Die harten, stecknadelkopf- bis linsengroßen, keratotischen graugelben Papeln sind anfangs nur gering erhaben. Sobald die Keratosen größer werden, haben sie teilweise eine warzige Oberfläche. Arsenkeratosen sind am stärksten an den Druckstellen ausgeprägt (Fersen, Zehen, Handballen), können den Faustschluss behindern und zu schmerzhaften Rhagaden führen.



Diagnose

Die Diagnose wird oft bereits aus der Krankheitsgeschichte und durch den klinischen Befund gestellt. Eine feingewebliche Untersuchung nach einer Probeentnahme sichert die Diagnose.



Entstehung

Arsenkeratosen werden durch chronische Exposition mit anorganischem Arsen ausgelöst. Bis die Arsenkeratosen entstehen, können bis zu 30 Jahre vergehen. Die zugeführten Arsenmengen, die zur Bildung von Arsenkeratosen führen, sind individuell sehr verschieden. Bedeutsam ist die chronische Arsenzufuhr, wozu auch arsenhaltige Trinkwasser oder arsenhaltige Tonica gehören. Besonders der früher viel konsumierte Haustrunk (Nachpressung der vergorenen Traubenrückstände) war oft verantwortlich zu machen. Dies lag an den arsenhaltigen Schädlingsbekämpfungsmitteln, die heute verboten sind. Auch eigenmächtig von Patienten mit einer Schuppenflechte über längere Zeit fortgesetzte Arsenkuren mit Fowler-Lösung oder arsenhaltigen Arzneimitteln waren oft die Ursache.



Wie werden Arsenkeratosen behandelt?

Kleine Arsenkeratosen können operativ entfernt werden. Eine Kryochirurgie (extreme Kältetherapie mit flüssigem Stickstoff) kommt ebenfalls in Betracht. Bei ausgedehnten flächenhaften Arsenkeratosen ist eine Lasertherapie angezeigt. Ein Versuch der lokalen Therapie mit dem Chemotherapeutikum 5-Fluoruracil in Form von Salben oder Pflastern ist möglich. Eine weitere Therapieoption besteht in dem neuen topischen „Immunmodulator“ Imiquimod. Diese Substanz wird eigentlich zur Behandlung von Warzen, besonders Schleimhautwarzen, eingesetzt, hat sich jedoch auch bei Präkanzerosen der Haut als effektiv erwiesen.



Vorbeugung

Der Verlauf der Arsenkeratosen ist chronisch. Übergänge zum Plattenepithelkarzinom kommen vor. Patienten mit chronischer Arsenintoxikation neigen auch zu Karzinomen innerer Organe, besonders an Lunge, Leber, Nieren, Blase und Bauchspeicheldrüse. Wichtig ist, Patienten mit Arsenkeratosen laufend zu kontrollieren, um die Entstehung von Hautkrebs frühzeitig zu erkennen. Die Gabe von Vitamin A-haltigen Substanzen, z. B. Acitretin als Dauerprophylaxe, ist zu erwägen. Die Patienten sollten in regelmäßigen Abständen auf eine Krebserkrankung der inneren Organe untersucht werden.

 

Was ist ein Cornu cutaneum?

Das Cornu cutaneum wird auch Hauthorn genannt. Es handelt sich um eine Beschreibung. Man versteht darunter Auswüchse der Haut, die einem Tierhorn ähneln und aus Hornmaterial (Keratin) bestehen.



Wie sieht ein Cornu cutaneum aus?

Die schmutziggelbliche oder auch gelblichbräunliche Hauthornbildung kann bis einige cm betragen. Sie steht senkrecht oder gebogen auf der Haut und ist zylindrisch oder pyramidenförmig, oft mit Längs- und Querfurchen versehen. Hauptsächlicher Sitz eines Hauthorns sind Gesicht, behaarter Kopf und Ohren, gelegentlich auch jede andere Körperstelle. Meistens kommt das Cornu cutaneum nur in Einzahl vor.



Diagnose

Die Diagnose wird durch den klinischen Befund gestellt. Eine feingewebliche Untersuchung nach der operativen Entfernung ist erforderlich, um einen im Hauthorn verborgenen Hautkrebs auszuschließen.



Entstehung

Das Cornu cutaneum kann über Jahre und Jahrzehnte hinweg wachsen. Die Entstehungsursachen sind vielfältig und können nicht immer geklärt werden. Hinter dem typischen klinischen Bild kann sich neben einem Morbus Bowen oder einer aktinischen Keratose auch eine harmlose, stark zur Verhornung neigende Warze aber auch ein Plattenepithelkarzinom verbergen.



Wie wird ein Cornu cutaneum behandelt?

In jedem Fall erfolgt eine operative Entfernung und feingewebliche Untersuchung. Das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung bestimmt das weitere therapeutische Vorgehen.



Vorbeugung

Das Cornu cutaneum ist eine chronisch verlaufende Erkrankung, die in ein Plattenepithelkarzinom übergehen kann. Dieser Übergang deutet sich klinisch zumeist durch eine entzündlich gerötete und veränderte Haut an der Basis des Hauthorns an. Daher sollte jedes Cornu cutaneum umgehend exzidiert werden. Nach der Behandlung empfehlen sich auch Lichtschutzmaßnahmen.

 

Was sind Röntgenkeratosen?

Röntgenkeratosen sind Bestrahlungskeratosen. Sie bilden sich nach Jahren im Bereich einer durch Röntgenstrahlung bedingten chronischen Hautentzündung (Radiodermitis)



Wie sehen Röntgenkeratosen aus?

Innerhalb einer chronischen Radiodermitis findet man harte, festsitzende hornige Auflagerungen, die nicht ohne Schmerz und Blutung zu entfernen sind.



Diagnose

Die Diagnose wird oft bereits aus der Krankheitsgeschichte und durch den klinischen Befund gestellt. Eine feingewebliche Untersuchung nach einer Probeentnahme sichert die Diagnose.



Entstehung

Nach therapeutischer Bestrahlung mit Röntgenstrahlen oder nach Unfällen mit Strahlenschäden (Atomkraftwerke) können die Röntgenkeratosen nach Jahren im Bereich der Radiodermitis auftreten. Sie kommen auch in Hautarealen vor, die früher beruflich durch Röntgenstrahlen belastet waren, z.B. bei Radiologen, Chirurgen und Technikern aus der Röntgengeräteindustrie.



Wie werden Röntgenkeratosen behandelt?

Operative Entfernung gegebenenfalls mit plastischer Deckung. Häufig besteht eine schlechte Wundheilung.



Vorbeugung

Bei entsprechendem Beruf sollten Arbeitschutzmaßnahmen beachtet werden. Bei Patienten nach therapeutischer Bestrahlung sollten in den Folgejahren regelmäßig der bestrahlte Hautbezirk auf die Entstehung einer Radiokeratose kontrolliert werden. Nach operativer Therapie der Radiokeratosen sollte der Befund regelmäßig kontrolliert werden.

 

Was sind Teerkeratosen?

Teerkeratosen werden auch Teerwarzen genannt. Nur bei langfristigem Kontakt haben Teer und seine Destillationsprodukte eine krebsauslösende Wirkung.



Wie sehen Teerkeratosen aus?

Die Hautveränderungen bestehen aus keratotischen Papeln und warzenartigen Keratosen. Befallen sind häufig ungeschützte Körperteile wie Gesicht, Nacken, Unterarme und Hände; bei Schornsteinfegern typischerweise auch die Haut des Hodensacks.



Diagnose

Die Diagnose wird oft bereits aus der Krankheitsgeschichte und durch den klinischen Befund gestellt. Eine feingewebliche Untersuchung nach einer Probeentnahme sichert die Diagnose.



Entstehung

Langjähriger intensiver Kontakt mit teerdurchtränkter Bekleidung führt zu den beschriebenen Hautveränderungen. Wahrscheinlich ist das Sonnenlicht wegen der lichtsensibilisierenden Wirkung des Teers ein zusätzlicher ursächlicher Faktor.



Wie werden Teerkeratosen behandelt?

Teerkeratosen sollten durch elektrochirurgische Abtragung, operative Entfernung oder durch flächenhafte Laserabtragung beseitigt werden.



Vorbeugung

Teerarbeiter und Schornsteinfeger sind besonders gefährdet. Daher werden Teerkeratosen und der sich daraus entwickelnde „Teerkrebs“ bei dieser Berufsgruppe als Berufkrankheit anerkannt. Zur Verfügung stehende Arbeitschutzmaßnahmen sollten beachtet werden. Nach operativer Entfernung einer Teekeratose empfiehlt sich regelmäßig eine Kontrolle des Befundes.

 

Was ist nach der Behandlung von Praekanzerosen wichtig?

Präkanzerosen der Haut haben vielfältige Ursachen und können entarten. Sie sind durch frühzeitige Therapie meist heilbar. Die Therapie der Präkanzerosen besteht häufig in chirurgischen Maßnahmen; mitunter kommt eine lokale Chemotherapie zum Einsatz. Nach der Therapie von Praekanzerosen sollten weiterhin engmaschige klinische Kontrolluntersuchungen der Haut erfolgen, da im weiteren Verlauf eine Neuentstehung weiterer Praekanzerosen häufig ist.