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Plattenepithelkarzinom

Was ist das Plattenepithelkarzinom?

Das Plattenepithelkarzinom der Haut und des Unterlippenrots geht von der Oberhaut (Epidermis) aus und ist ein bösartiger (maligner) Tumor, der lokal destruierend wächst und selten Tochtergeschwülste streut. In Mitteleuropa ist das Plattenepithelkarzinom mit einer Inzidenz von ca. 25-30 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern und Jahr der zweithäufigste maligne Hauttumor. Bei immunsupprimierten Patienten ist das Auftreten stark erhöht und die Krankheitsverläufe sind ungünstiger. Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 70 Jahren, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Absiedelungen finden sich nur bei ca. 5 % der Tumorträger. Das Plattenepithelkarzinom der Haut tritt bevorzugt in Arealen auf, die einer verstärkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Dementsprechend finden sich Plattenepithelkarzinome der Haut zu 90 % im Gesicht. Genetische Grundlage ist oft eine lichtempfindliche Haut (Maximalvariante Xeroderma pigmentosum) mit einer geringen Hautpigmentierung und somit eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber UV Strahlung.

Das Plattenepithelkarzinom der Haut beginnt meist mit einer Krebsvorstufe, der sogenannten solaren oder aktinischen Keratose und dem Morbus Bowen oder entsteht auf vorgeschädigter Haut. Diese kann entzündet oder chronisch infiziert sein, wie es bei Strahlennarben, Lupus vulgaris, Condylomata accuminata, durch onkogene HP Viren oder bei Hauttuberkulose der Fall sein kann. Dem Plattenepithelkarzinom der Unterlippe geht häufig eine chronische Lichtschädigung der Lippe, die sogenannte Cheilitis actinica, voraus.

 

Wie sieht das Plattenepithelkarzinom aus, wie wird die Diagnose des Plattenepithelkarzinoms gestellt?

Das klinische Erscheinungbild ist variabel, im Initialstadium ist oft nur ein leicht schuppender rötlicher Fleck zu sehen. Mit zunehmendem Größenwachstum bildet sich ein rötlicher Tumor. Die Tumoroberfläche kann leicht verletzlich sein und von Zeit zu Zeit bluten oder Krusten aufgelagert haben. Meist handelt es sich um einen Tumor mit Krustenauflagerung und/oder mit Ulzerationen, die teilweise mit Bakterien besiedelt und infiziert sind. Das Plattenepithelkarzinom wächst zunächst kontinuierlich an der Stelle, wo es zuerst aufgetreten ist und zerstört dort vorhandene Gewebestrukturen.

Der Tumor ist in der Regel durch den Hautarzt schon allein durch das genaue Ansehen zu diagnostizieren. Die Diagnose wird durch die mikroskopische, feingewebliche Untersuchung einer kleinen Hautprobe gesichert. Für die weitere Planung der Behandlung ist eine Untersuchung der Tumorausdehnung nützlich.

Neben der klinischen Untersuchung des Lymphabstromgebietes ist bei Plattenepithelkarzinomen ab einer Tumordicke von > 2 mm eine Ausbreitungsdiagnostik in Form einer Lymphknotensonographie zur Abklärung einer Lymphknotenmetastasierung erforderlich. Bei größeren Karzinomen können weitere bildgebende Techniken wie Röntgen-Untersuchungen des Brustkorbes, seltener auch Computertomographie oder Kernspintomographie eingesetzt werden.

 

Wie wird das Plattenepithelkazinom behandelt?

Eine dauerhafte lokale Heilung kann mit relativ hoher Sicherheit durch eine Operation, bei der die befallene Haut herausgeschnitten und anschließend feingeweblich untersucht wird, erzielt werden.

Es erfolgt eine chirurgische Exzision mit einer topographischen Markierung des Tumors und anschließender lückenloser histologischer Aufarbeitung der Außenfläche des Exzidats. Somit ist eine topographische Zuordnung von nicht erkennbaren (subklinischen) Ausläufern möglich und mit entsprechenden Nachexzisionen kann eine tumorfreie Exzidataußenfläche erreicht werden. Diese feingewebliche Untersuchung ist insbesondere bei größeren und bei voroperierten Plattenepithelkarzinomen sowie bei solchen in Problemlokalisation besonders sorgfältig durchzuführen. Bei Tumoren in schwieriger Lokalisation, bei ausgedehnten Tumoren oder unklarer Abgrenzung sollte der Operationsdefekt bis zum Nachweis der kompletten Entfernung aller Tumoranteile nicht verschlossen werden. Bei diesem Vorgehen kann gleichzeitig gesunde Haut geschont werden, da nur entsprechend der histologisch festgestellten Tumorinfiltration exzidiert wird. Dieses Verfahren bietet also sowohl Vorteile hinsichtlich der Sicherheit als auch des kosmetischen Ergebnisses. Ein erneutes Auftreten des Tumors ist dann unwahrscheinlich.

Eine Alternative zur Operation ist eine Strahlentherapie mittels Elektronen oder Photonenbestrahlung. Das Zielvolumen umfasst den makroskopischen (inspektorisch, palpatorisch und bildgebend dargestellten) Primärtumor mit einem Mindestsicherheitsabstand von 1 cm. Die Bestrahlungen müssen täglich über einige Wochen hinweg durchgeführt werden, um eine ausreichende Behandlung zu erzielen.

Nur in den seltenen Fällen, wo es einmal zu einer weiteren Metastasierung gekommen ist, ist eine über die genannten Therapien reichende Versorgung notwendig. Diese reichen von weiteren Operationen im Bereich der regionalen Lymphknotenstationen bis hin zu Bestrahlungen in Bereichen, wo Metastasen aufgetreten sind.

Sollten, wie in sehr seltenen Fällen möglich, ausgedehnte Metastasen bestehen, ist eine Chemotherapie für den gesamten Organismus erforderlich. Hier werden je nach Ausdehnung der Metastasierung, dem Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten entsprechend individuelle Therapiekonzepte gewählt. Als mögliche Substanzen kommen Methotrexat, Cisplatin, Doxorubicin, 5-Fluorouracil, Bleomycin oder auch Interferon und synthetische Retinoide einzeln oder in Kombination in Betracht.

 

Was ist nach der Behandlung des Plattenepithelkarzinoms wichtig?

Das Auftreten eines Plattenepithelkarzinoms der Haut ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, in den weiteren Lebensjahren an anderen Stellen weitere Tumore zu entwickeln. Meist treten Rezidive und Metastasen innerhalb von einigen Jahren, in der Mehrzahl innerhalb der ersten zwei Jahre, auf. Nur bei dickeren Tumoren kann es außerdem zu einer Metastasierung kommen. Deshalb und um ein erneutes Auftreten eines vorbehandelten Plattenepithelkarzinoms der Haut frühzeitig zu erkennen, ist eine regelmäßige hautärztliche Kontrolle anzuraten. Die Nachsorguntersuchungen sind vorwiegend klinische Untersuchungen zur Beurteilung des lokoregionären Befundes. Eine Sonographie der regionären Lymphknoten wird nur bei unklarem oder schwierig zu erhebendem Palpationsbefund durchgeführt.