Leukoplakie

Was ist die Leukoplakie?

Unter Leukoplakie versteht man ein weißes, nicht abwischbares Areal der Schleimhaut im Mund oder Genitalbereich. Die Erkrankungshäufigkeit ist weltweit sehr unterschiedlich. Sie ist besonders unter Rauchern und Betelkauern sehr hoch. In unseren Breiten stellt die Leukoplakie eine relativ häufige Erkrankung dar. (0,6-3,3% der Bevölkerung). Schätzungen zufolge sind in Mitteleuropa 0,7 % der Frauen und 2,3 % der Männer an Leukoplakien der Mundhöhle erkrankt. Insgesamt sind Männer etwa dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Die Erkrankung tritt vor allem im höheren Lebensalter jenseits des 40. Lebensjahres in Erscheinung.

Bei den Leukoplakien im engeren Sinne, den exogen-irritativen Leukoplakien, unterscheidet man Leukoplakien durch physikalische (mechanische Irritationen durch schadhafte Zähne und Fehlstellungen von Zähnen) und chemische Noxen (örtlicher Kontakt mit Rauch- oder Kautabak). Bei den Leukoplakien im weiteren Sinn unterscheidet man erbliche Leukoplakien und endogen irritative (entzündliche oder infektiöse) Leukoplakien.

Insgesamt kommt es durch verschiedene Reize zu einem Fehlverhalten der Schleimhaut. Häufig führen physikalische oder chemische Reize zu einem derartigen Prozess, also z.B. ständiges Reiben bspw. bei fehlstehenden Zähnen oder schlecht sitzenden Prothesen, oder aber der Reiz des Nikotins bei Rauchern bzw.  Kautabak bei entsprechendem Genuss.

Abgesehen von diesen von außen kommenden Störfaktoren, können innere Erkrankungen oder auch Hauterkrankungen zu einer Weißverfärbung im Schleimhautbereich führen. Zum Beispiel geht der Lichen ruber typischerweise mit einer streifigen Weißverfärbung der Schleimhaut einher. Im Genitalbereich zeichnet sich der Lichen sclerosus et atrophicans (s. Merkblatt) durch eine Leukoplakie aus. Nicht zu vergessen sind auch Medikamentenreaktionen, die neben der Haut die Schleimhaut betreffen können. Schließlich gibt es auch gutartige und bösartige Schleimhautwucherungen oder – Tumoren, die klinisch als weiße Flecken erscheinen. Auch Infektionen können zu der Ausbildung einer Leukoplakie führen, hier ist insbesondere an Virusinfektionen im Sinne von Warzen zu denken.

Eine Sonderform der Leukoplakie stellt die so genannte Haarleukoplakie dar, die gelegentlich als Folge einer HIV-Infektion beobachtet wird. Dabei handelt es sich um weißiche Veränderungen am seitlichen Zungenrand mit einer geriffelten, leistenartigen Struktur. Auch bei chronischen bakteriellen Infektionen, z.B. Syphilis oder Pilzinfektionen oder mit Candida albicans, kann es zur Ausbildung von leukoplakieartigen Veränderungen kommen.

 

Wie sieht die Leukoplakie aus, wie wird die Diagnose der Leukoplakie gestellt?

Bei der Leukoplakie handelt es sich um weiße, nicht abwischbare Bezirke der Schleimhaut bestimmter Körperregionen, die keiner anderen bekannten Krankheit zugeordnet werden können. Leukoplakien verursachen in der Regel keinerlei Beschwerden, weshalb sie meist zufällig entdeckt werden. Sie treten häufig in größerer Zahl und an verschiedenen Stellen gleichzeitig auf. Es handelt sich dabei um eine Verdickung des so genannten Plattenepithels, der äußersten Gewebeschicht der Schleimhaut, die durch eine verstärkte Verhornung (=Hyperkeratose) hervorgerufen wird. Die weiße Farbe entsteht durch Quellung der verhornten Zellen. Nach ihrem Aussehen werden eine homogene Form (einfache Leukoplakie) und eine inhomogene Form (verruköse und erosive Leukoplakie) unterschieden. Leukoplakien bilden sich bevorzugt in der Schleimhaut der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfes. In der Mundhöhle sind vor allem die Wangenschleimhaut, die inneren Mundwinkel, die Zunge, der Mundboden und der Gaumen betroffen, aber auch der Kehlkopf kann mit den Stimmlippen betroffen sein. Neben der Schleimhaut im Mund treten Leukoplakien auch im Genitalbereich auf.

Von entscheidender Bedeutung für das weitere Vorgehen ist die Frage nach der Dignität der Läsion. Heilt eine Leukoplakie trotz Beseitigung der vermuteten Ursache nicht innerhalb von einigen Wochen ab, sollten eine Entnahme von Gewebe aus dem betroffenen Bereich (=Biopsie) und dessen mikroskopische Untersuchung zur genauen Abklärung der Diagnose erfolgen. Eine histologische Abklärung ist zwingend notwendig, da eine Leukoplakie solange malignitätsverdächtig bleibt, bis das Gegenteil erwiesen ist.

 

Wie wird die Leukoplakie behandelt?

Die Leukoplakie sollte immer behandelt werden, wenn eine äußerliche oder innerliche Ursache nicht zu erklären ist. Hierzu bieten sich unterschiedliche operative Möglichkeiten an, die Leukoplakie zu entfernen. Zu nennen sind die elektrokaustische Abtragung des leukoplakischen Schleimhautepithels mit anschließender Kürettage sowie die Entfernung mittels Vereisung (Kryochirurgie) und Entfernung mittels ablativer Laser wie dem Erbium Yag- oder CO 2- Laser.

Nach der Ablation des Epithels und Sekundärheilung mit einer Abheilungsdauer je nach Ausgangsbefund von bis zu acht Wochen gilt grundsätzlich das Meiden ursächlicher externer Irritantien wie defekte Zähne, schlecht sitzende Prothesen, Rauchen, Alkohol, Wangenkauen, UV-Schäden (Lippenbereich) und Mazeration im Genitalbereich.

 

Was ist nach der Behandlung der Leukoplakie wichtig?

Leukoplakien bilden sich meist nach Beseitigung der Reizquelle von allein zurück. Heilt eine Leukoplakie nach Beseitigung der vermuteten auslösenden Faktoren nicht innerhalb weniger Wochen von selbst und sind keine weiteren ursächlichen Faktoren bekannt, sollte eine Leukoplakie chirurgisch entfernt werden. Anschließend sind regelmäßige Kontrollen erforderlich, da ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung neuer Leukoplakien besteht. Raucher und Alkoholiker sind hierbei besonders gefährdet. Ist eine Behandlung bzw. Entfernung aufgrund der nachweisbaren Ursache oder der großen Ausdehnung der Leukoplakie nicht möglich, so muss die Leukoplakie regelmäßig, am besten alle 3 Monate, von einem erfahrenen Arzt kontrolliert werden. Bei längerem Bestand muss auch eine regelmäßige Biopsie zur histologischen Kontrolle durchgeführt werden, denn fortgeschrittene Leukoplakien neigen zur Entartung und Bildung von bösartigen Tumoren, so genannten Karzinomen (lat. cancer, griech. karkinos = Krebs), und sind die häufigsten Krebsvorstufen (=Präkanzerosen) der Mundhöhle. Während die einfachen Leukoplakien fast nie in einen bösartigen Tumor übergehen, haben die verrukösen ein Entartungsrisiko von 4-6 %. Aus erosiven Leukoplakien dagegen entwickelt sich in über 30 % der Fälle ein Karzinom.

Zu den vorbeugenden Maßnahmen bezüglich der Ausbildung von Leukoplakien gilt es, eine ausreichende Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen durchzuführen. Wird Zahnersatz notwendig, sollte auf einen guten Sitz der Prothese geachtet werden. Alle weiteren reizenden Faktoren sind dringend zu meiden. Scharfe Speisen können zu einem unangenehmen Brennen führen und sollten ebenfalls gemieden werden.

  • Physikalische Noxen, chemische Noxen
  • Erbliche Leukoplakien
  • Mechanische Irritation durch schadhafte Zähne oder Zahnfüllungen usw.
  • Fehlstellung natürlicher Zähne (mit Okklusionsstörungen) mea alba buccalis (verstärkte Interdentalleiste)
  • Morsicatio buccarum („habituelles Wangenkauen“)
  • „Stomatitis elektrogalvanica“ (durch Potentialdifferenz verschiedener intraoraler Metalle)
  • Scheuer- und Druckwirkung schlecht angepasster Zahnprothesen
  • Narben nach Bestrahlung oder Verbrennung
  • Leukoplakie über vorstehenden Schleimhauttumoren (Fibrome usw.)
  • Cheilosis actinica
  • Leukoplakie durch örtlichen Kontakt mit Rauchtabak, Kautabak, Schnupftabak
  • Leuködem (Tabak-bedingt)
  • Leucokeratosis fumosa palati (Raucherleukokeratose)
  • Betelpriem(-Tabak)-Leukoplakie
  • Weißer epithelialer Schleimhautnaevus („white spongy nevus“, „white folded gingivo-sto-matosis“,
  • „Leukodema exfoliativum mucosae oris“, etc.)
  • Leuködem (rassisch, konstitutionell)
  • "Benigne intraepitheliale Dyskeratosis“ (Wittkop-v. Sallmann)
  • Dyskeratosis follicularis (Darier)
  • Dyskeratosis congenita (Zinsser-Engman-Cole)
  • Pachyonychia congenita (Jadassohn-Lewandowsky)
  • Epidermolysis hereditaria bullosa dystrophicans
  • Lipoidproteinosis (Urbach-Wiethe)
  • Fibromatosis gingivae hereditaria
  • Endogen-irritative Leukoplasien
  • Chronisch hyperplastische oder granulomatöse Mykosen (Candidamykosen, südamerikanische und nordamerikanische Blastomykose, Histoplasmose etc.)
  • Chronische entzündliche Leukoplakien anderer Ätiologie (beispielsweise Glossitis interstitialis luica, Glossitis granulomatosa bei MRS)
  • Lichen planus mucosae (partim atrophicans, partim pemphigoides)
  • Pemphigus mucosae cicatricans
  • Lichen sclerosus et atrophicus
  • Zirkumskripte Sklerodermie (Morphaea)
  • Lupus erythematodes
  • Pityriasis rubra pilaris
  • Fixe Arzneimittelenantheme
  • Hypovitaminosis A
  • Fokale epitheliale Hyperplasie (Morbus Heck)
  • Viruspapillom(-atose)
  • Leukoplakie über Granularzellneurom. Xanthoma verruciforme etc.